Test: The Last of Us Part 2 Remastered (2024)

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als die ersten DVDs auf den Markt kamen? Die Älteren von euch sicherlich. Damals gab es gute DVDs und schlechte DVDs. Was war der Unterschied? Schlechte DVDs beinhalteten einen Film und dazu entweder gar nichts oder nur Werbetrailer für andere Filme. Gute DVDs boten dagegen neben dem Film noch eine ganze Reihe kleiner Goodies: ein animiertes Menü, ein Making-Of-Featurette, Interviews mit den Schauspielern oder gar kleine Minispiele, die mit der Fernbedienung gespielt werden konnten. Manchmal wurden diese guten DVDs neben den schlechten veröffentlicht und als Special/Ultimate/Deluxe Edition angepriesen.

Was haben solche DVDs mit The Last of Us Part 2 Remastered für die PlayStation 5 zu tun? Nun, die Neuauflage fühlt sich keineswegs wie eine Remastered-Version an. Der Beititel ist geradezu irreführend. Meiner Meinung nach hat TLoU2R mehr mit den oben beschriebenen guten DVDs gemein. Wer große Verbesserungen am Hauptspiel von 2020 erwartet, wird zweifelsohne enttäuscht sein, aber die Disk, beziehungsweise der Download, ist vollgepackt mit etlichen Bonus-Inhalten, die wir euch nachfolgend näher beschreiben wollen.

Test: The Last of Us Part 2 Remastered (1)

Im Westen (fast) nichts Neues

Fangen wir aber erst einmal mit dem Hauptspiel an, denn wer dieses noch nicht gespielt hat, muss lediglich zwei Dinge wissen: The Last of Us Part 2 ist ein famos gutes Spiel in einer fantastisch-detaillierten, postapokalyptischen Welt, erzählt aber zugleich eine absolut brutale, deprimierende und ungemein nervenaufreibende Story, über die sich viele zartbesaitete Spieler nicht grundlos beschwert haben. Für mehr Informationen empfehlen wir unseren Test der PlayStation-4-Fassung und eventuell noch unseren gesonderten Kommentar.

Wer das Hauptspiel bereits kennt, dem sei gesagt: Hier wurde für die Remastered-Fassung nur sehr wenig verändert. In 4K sieht alles einen Hauch schärfer aus, außerdem sind ein paar Texturen und Schatten ein wenig detaillierter und die Weitsicht besser. Die Framerate wurde im Performance-Modus zudem auf 60 FPS hochgeschraubt. All diese Verbesserungen sind jedoch so minimalistisch, dass sie selbst den größten Fans nur bei einem direkten Vergleich der Versionen auffallen sollten – wenn überhaupt. Mit einigen kommenden Unreal-Engine-5-Spielen oder PS5-exklusiven AAA-Krachern wie Ratchet and Clank: Rift Apart kann The Last of Us Part 2 grafisch nicht mithalten, das vielleicht schönste PS4-Spiel macht aber natürlich auch auf der PS5 noch eine sehr gute Figur.

Test: The Last of Us Part 2 Remastered (2)

Weil so wenig am Hauptspiel gefeilt wurde, haben wir es für diesen Test auch nicht noch einmal durchgespielt. Nach dem zweiten Kapitel war für uns Schluss. Da die PS4-Speicherstände mit der PS5 kompatibel sind, haben wir ein späteres Gebiet immerhin noch angespielt. The Last of Us Part 2 bleibt schlicht The Last of Us Part 2, und auch Sony scheint sich bewusst, dass viele Spieler nicht wegen des winzigen technischen Upgrades erneut zugreifen, sondern, um die Bonus-Inhalte mitzunehmen. Für Besitzer der PS4-Version gibt es deshalb für 10 Euro ein Upgrade (statt dem Vollpreis von 50€), außerdem dürfen wir noch vor der Installation und dem Download aus dem PlayStation-Store entscheiden, ob wir unsere Konsole zuerst das Hauptspiel oder lieber die Rund 30 Gigabyte an Daten für No Return herunterladen lassen.

No Return

No Return - im Deutschen "Kein Zurück" - ist der Name eines rogue-like Survival-Spiels, bei dem wir uns in den Schuhen von Ellie oder Abby durch verschiedene Arenen kämpfen müssen. Die Arenen sind Teile bekannter Gebiete aus dem Hauptspiel wie etwa der verschneite Supermarkt in der Nähe von Jackson, das verlassene Krankenhaus in Seattle oder die ganz in rotes Licht gebadete U-Bahn-Station. Mit dem Erreichen bestimmter Ziele schalten wir neue Waffen, Skins oder einen von acht zusätzlichen Charakteren wie Dina, Joel oder Tommy frei, wobei jeder Charakter mit einem eigenen Skill- und vor allem Waffenset daherkommt. Ellie startet beispielsweise nur mit einer Pistole und einem Molotov-co*cktail. Joel hat einen stärkeren Revolver, eine Melee-Waffe und ein Selbstverteidigungsmesser, ist allerdings langsamer als Ellie und beherrscht keine Ausweichbewegung. Cool ist, dass sich die freigeschalteten Skins auch im Hauptspiel verwenden lassen. Wer seiner Mordslust also schon immer in einem Astronautenkostüm nachgehen wollte, kann das jetzt tun.

Test: The Last of Us Part 2 Remastered (3)

Grundsätzlich beginnt jeder Lauf in einer Werkstatt, die in verschiedene kleine Bereiche aufgeteilt ist. Es gibt einen Waffenschrank, eine Werkbank und eine Pinnwand. An letzterer sehen wir Polaroid-Fotos, die die einzelnen Level darstellen. Die Level und die menschlichen oder zombifizierten Gegner werden bei jedem Lauf zufällig ausgewählt, außerdem gibt es vier verschiedenen Modi, die bestimmen, was wir in den jeweiligen Leveln zu tun haben: Im hektischen Hunted-Modus müssen wir einfach nur überleben. Im etwas ruhigeren Assault-Modus müssen wir dagegen eine bestimmte Anzahl an Gegnerwellen ausschalten, und beim Capture-Modus gilt es einen bewachten Tresor leerzuräumen. Der Holdout-Modus wird erst nach einiger Zeit freigeschaltet und gleicht dem Hunted-Modus, wird aber immer mit einem KI-gesteuerten Partner gespielt. Grundsätzlich setzt No Return viel mehr auf Action, als das Hauptspiel. Stealth spielt eine eindeutig untergeordnete Rolle, Rätsel gibt es gar nicht. Das kann anfangs durchaus gewöhnungsbedürftig sein, stellt es doch das Gameplay aus dem Hauptspiel phasenweise völlig auf den Kopf. Damit die Action nicht zu langweilig wird, sorgen sogenannte Modifikatoren für mehr Abwechslung. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Gegner nach dem Tod explodieren oder als fast unsichtbare Schemen durch das jeweilige Level wandern.

Nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Level kehren wir in die oben beschriebene Werkstatt zurück. Dort dürfen wir Waffen oder andere Items kaufen beziehungsweise upgraden – vorausgesetzt, wir haben genug Ressourcen dazu. Roguelike-typisch verlieren wir nach jedem Tod unseren gesamten Fortschritt und Ausrüstung. Das sorgt für ein Arcade-Feeling, verhindert zusammen mit der limitierten Anzahl an relativ kleinen Arenen aber auch, dass No Return langfristig an den Fernseher fesseln kann. Anders formuliert: No Return ist ein kurzweiliges Spiel für Zwischendurch - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Test: The Last of Us Part 2 Remastered (4)

Und sonst?

Neben No Return bietet uns die Remastered-Fassung vorrangig noch zwei kleinere Boni: Die wären einmal ein Gitarren-Modus, der es uns erlaubt als Ellie, Joel oder Gustavo (dem Komponisten des Spiels) fröhlich an den Saiten eines virtuellen Instruments zu zupfen, und außerdem verschiedene Making-of-Inhalte, bei denen speziell die sogenannten Lost Levels hervorzuheben sind. Die Lost Levels sind drei unfertige Umgebungen, die zugunsten eines besseren Pacings aus dem finalen Spiel geschnitten wurden. Hier dürfen wir mit Ellie durch Teile von Jackson, einer Kanalisation und einem kleinen Supermarkt schlendern, schwimmen oder ein Wildschwein jagen und uns an vorgegebenen Stellen Kommentare der Entwickler anhören. Diese teilen dann weitere Informationen zum Entwicklungsprozess, legen offen, wie die Gebiete ins Hauptspiel integriert worden wären und wieso sie letztlich geschnitten wurden. Neil Druckmann weist vor jedem Lost Level ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Alpha-Versionen handelt, d.h. so manche Textur, Animation oder Audiodatei fehlt noch. Anders als das Hauptspiel bieten die Lost Levels außerdem keine deutsche Synchronisation, nur deutsche Untertitel.

Test: The Last of Us Part 2 Remastered (5)

Ist The Last of Us Part 2 Remastered ein herausragend gutes Spiel? Diese Frage ist leicht zu beantworten: Natürlich! Wer mit Ellie und Abby Seattle (und die Abgründe des menschlichen Daseins) noch nie erforscht hat, bekommt hier ohne jeden Zweifel die beste und vollständigste Variante des Spiels.

Lohnt sich der Kauf für Besitzer der PS4-Version? Nun, wer kein Hardcore-Sammler ist, sollte die PS5-Fassung zum Vollpreis auf jeden Fall links liegen lassen. Die technischen Verbesserungen sind marginal, und die Bonusinhalte nicht mehr als nett. Ob sie 10€ wert sind, muss jeder für sich entscheiden. No Return bietet gewiss ein paar Stunden gute Unterhaltung, ist aber letztlich nur ein Remix bekannter Gebiete und nicht vergleichbar mit einem Story-DLC wie etwa dem kürzlich erschienen God of War Ragnarök: Valhalla. Die Lost Levels sind inhaltlich interessanter, aber jeweils nur wenige Minuten lang. The Last of Us Part 2 Remastered ist eben wie eine Special-Edition-DVD eines fantastischen Films mit netten, aber definitiv nicht notwendigen Boni. Die Wertung unten gilt für das Gesamtpaket. Müssten wir die Bonus-Inhalte separat bewerten, würde dort 7.0 stehen.

Test: The Last of Us Part 2 Remastered (2024)
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Author: Nathanial Hackett

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